Zeitreise durch die Vereinsgeschichte des Turnvereins Hauenstein

von Alexander Meyer, Vorsitzender des Vorstandes

Sehr geehrte Gäste, liebe Turnerfamilie,

ich möchte Sie nun mitnehmen auf eine kleine Zeitreise durch die 125-jährige Vereinsgeschichte des Turnvereins Hauenstein.

Diese Zeitreise soll Meilensteine, historische Momente und schöne Erlebnisse aus den vergangenen Jahrzehnten in Erinnerung rufen.

125 Jahre… das sind Generationen von Menschen.
Das sind unzählige Trainingsstunden, Wettkämpfe, Feste, Rückschläge – und vor allem: Gemeinschaft.

Ich möchte aber gleich zu Beginn sagen: Diese Reise durch 125 Jahre Vereinsgeschichte kann natürlich nicht vollständig sein. Dafür ist die Geschichte unseres Vereins einfach zu reich, zu bewegend und zu vielseitig.

Wenn ich also etwas Wichtiges übersehen oder nicht ganz korrekt zugeordnet habe, bitte ich um Nachsicht.

Lassen Sie uns nun gemeinsam in die einzelnen Epochen unserer Vereinsgeschichte eintauchen.


1. Epoche 1901 bis 1925

Die Anfänge

Alles begann im Jahr 1901 mit der Gründung des Turnvereins Hauenstein. 34 Mitglieder legten damals den Grundstein für das, was heute ein fester Bestandteil des Hauensteiner Vereinslebens ist.

Schon kurz danach zeigte sich, mit welchem Elan der junge Verein an seine Aufgaben ging: Ein Antrag für einen Turnplatz im Haberdeich wurde gestellt und von der Gemeinde genehmigt. 1902 folgte der Kauf eines Grundstücks für ein Turnhallengebäude in der Turnstraße, das bereits 1903 gebaut werden konnte

Früh wurde deutlich: Der Turnverein wollte mehr sein als nur ein Ort für sportliche Bewegung. Er wurde zu einem Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens. So fand 1911 das Gauturnfest in Hauenstein statt – ein Zeichen dafür, welche Bedeutung der Verein schon damals in der Region hatte.

Doch dann kam der Erste Weltkrieg –
und mit ihm eine Unterbrechung des Vereinslebens.

Erst 1919, nach dem Krieg, konnte der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden.

Ein besonderes Ereignis dieser frühen Jahre war die Fahnenweihe im Jahr 1925.

Die am 30.09.1922 bei der Firma Schieber in Presseck bestellte Vereinsfahne (60.000 Mark) konnte nur unter schwierigen Umständen nach Hauenstein gebracht werden. Fritz Naser aus Bayreuth und Mitglied des TVH, zu dieser Zeit bei der Fa. C.A Seibel in Hauenstein beschäftigt, besorgte den Transport nach Hauenstein.

Da wegen der französischen Besatzungszeit keinen Fahrt über den Rhein möglich war, überquerte er in der Nacht mit einem Ruderboot den Rhein und brachte die Fahne heil nach Hauenstein. Die Fahne hatte er unter seinen Mantel um den Körper gebunden. Der schwierige Transport war auch der Grund der verspäteten Fahnenweihe.

Die Geschichte unserer Vereinsfahne, gehört bis heute zu den eindrucksvollsten und zugleich symbolträchtigsten Kapiteln unserer Vereinsgeschichte.


2. Epoche 1926 bis 1950

Aufbau, Vielfalt und schwere Zeiten

Im Jahr 1926 wurde das 25-jährige Stiftungsfest gefeiert. Der Verein hatte sich inzwischen weiterentwickelt und neue Angebote geschaffen.

1927 wurde ein Fanfaren- und Spielmannszug aufgestellt und es entstand eine Wanderabteilung, 1928 die Handballabteilung, 1929 die Schwimmabteilung, 1931 die Sängerriege. Der Turnverein wurde damit immer mehr zu einem breit aufgestellten Sport- und Kulturverein.

Ein Relikt aus der dem Fanfahren und Spielmannszug sehen sie auch vorne die blaue Uniform (1932)

Ein weiterer Höhepunkt war das Gauturnfest 1934 in Hauenstein, an dem 30 Vereine mit über 1200 Turnerinnen und Turnern teilnahmen. Das zeigt eindrucksvoll, welche Strahlkraft der TVH schon damals hatte.

Doch auch diese Zeit blieb von den großen Ereignissen der Geschichte nicht verschont.

Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) brachte erneut schwere Einschnitte. Dennoch wurde 1942 der Turnbetrieb wieder aufgenommen – erstmals auch mit einer Turnerinnenabteilung. 1943 wurde die Halle beschlagnahmt und mit russischen Zivilarbeitern belegt. 1945 folgte das Verbot des Turnvereins durch die französische Besatzung.

Trotz dieser schwierigen Zeit gab es einen Neuanfang: 1946 wurde eine Sportgemeinschaft gegründet. 1949 konnte die Turnhalle wieder freigegeben werden und der Turnbetrieb wurde erneut aufgenommen. 1950 kam es dann zur Auflösung der Sportgemeinschaft und zur Neugründung des Turnvereins.

Zu dieser Zeit gehörten bereits mehrere Abteilungen zum Vereinsleben: Gerätturnen, Handball, Leichtathletik, Spielmannszug, Turnerinnen und Laienspieler. Der Verein war wieder lebendig – und bereit für einen neuen Aufbruch.


3. Epoche 1951 bis 1975

Wachstum und neue Heimat

Mit dem 50-jährigen Stiftungsfest im Jahr 1951 begann für den Verein eine Zeit des Neubeginns und der Weiterentwicklung.

In den folgenden Jahren reihten sich zahlreiche sportliche Höhepunkte aneinander: das Landesturnfest in Landau 1952, das Deutsche Turnfest in Hamburg 1953, das Landesturnfest in Ludwigshafen 1956 sowie das Deutsche Turnfest in München 1958. Diese Ereignisse unterstreichen die enge Verbundenheit des TVH mit der Turnbewegung – damals wie heute.

Ein besonders bedeutender Meilenstein war der Neubau der Turnhalle im Haberdeich.

Nach dem ersten Spatenstich 1958 wurden 1959 die Grundsteinlegung und das Richtfest gefeiert. Am 10. Januar 1960 wurde die Halle feierlich eröffnet und ihrer Bestimmung übergeben. Sie wurde schnell zum Mittelpunkt des Vereinslebens – zum „Wohnzimmer“ des Vereins.

1961 ging das Gelände der Turnhalle offiziell von der Gemeinde in den Besitz des Turnvereins über. Bereits 1962 wurde die Fußballabteilung ins Leben gerufen, die ab 1963 am Spielbetrieb teilnahm. Im selben Jahr entstand im Untergeschoss der Turnhalle eine Kegelbahn.

Auch sportlich setzte der Verein Akzente: Die Turnriege errang die Landesmeisterschaft.

1967 wurde das 40-jährige Bestehen des Spielmannszugs gefeiert, verbunden mit den Landeskunstturnmeisterschaften in Hauenstein.

Weitere wichtige Schritte folgten in den späten 1960er-Jahren: 1968 erhielt der Spielmannszug eine neue Ulanen-Uniform (Ausstellung), und mit der Einweihung des Sportplatzes wurde ein weiterer bedeutender Meilenstein erreicht.

1969 wurden die Schwimmabteilung neu gegründet und die Handballabteilung wieder aktiviert. Zudem fand ein internationales Grenzlandtreffen der Spielmannszüge statt.

Ein abschließender, augenzwinkernder Blick in die Zukunft:

1975 wurde der heutige Vorstand geboren – ein Zeichen dafür, dass die Geschichte des Vereins stets auch den Grundstein für kommende Generationen legt.


4. Epoche 1976 bis 2000

Breite, Erfolge und große Entwicklungen

Diese Jahre waren geprägt von großer sportlicher Vielfalt und zahlreichen Erfolgen.

Bereits 1976 fanden Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Kunstturnen in Hauenstein statt, und 1980 wurde die Volleyball-Abteilung gegründet. Die Handball-Männer entwickelten sich sportlich erfolgreich weiter und schafften Aufstiege bis in die A-Klasse.

Ein besonderer Höhepunkt war das Jahr 1984, als das zentrale Spielfest des Sportbundes Pfalz mit rund 2500 Besuchern Hauenstein erneut zu einem Mittelpunkt des Sports machte.

Ein herausragendes Erfolgsjahr war 1987: Gleich mehrere Abteilungen konnten Aufstiege feiern – im Turnen, Volleyball, Handball und Fußball. Diese Zeit steht sinnbildlich für die große Breite und Leistungsfähigkeit des Vereins.

Auch strukturell entwickelte sich der TVH weiter: 1988 wurde das Gerätturnen weiblich gegründet, 1991 kam die Badminton-Abteilung hinzu.

Die 1990er-Jahre brachten weitere sportliche Höhepunkte: Die Handball-Damen stiegen in die Verbandsliga und später sogar in die Regionalliga auf – damals die höchste Amateurklasse. Gleichzeitig sorgte die Breitensportgruppe mit dem Supertandem und dem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde für überregionale Aufmerksamkeit.

Ein wichtiger Meilenstein war 1994 die Einweihung der neuen Sportanlage mit Rasen- und Tennenplatz. Sie schuf die Grundlage für viele sportliche Erfolge und wurde zugleich ein zentraler Treffpunkt des Vereinslebens. Im gleichen Jahr erschien erstmals das TVH-Vereinsheft „Handball aktuell.

Ein Moment, an den sich viele sicher noch erinnern: 1995 übertrug der SWR mit „Flutlicht“ live aus der vollbesetzten Turnhalle.

Auch Rückschläge – wie die Abmeldung der Herren-Handballmannschaft 1999 – gehörten dazu. Insgesamt war diese Epoche jedoch geprägt von Wachstum, sportlicher Leistungsfähigkeit und einer starken Vereinsidentität.


5. Epoche 2001 bis 2025

Neubeginn und Zusammenhalt

Mit dem 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2001 begann ein neues Kapitel. Zahlreiche Veranstaltungen machten dieses Jubiläum zu einem unvergesslichen Ereignis und zeigten die ganze Vielfalt des Vereins.

Im gleichen Jahr wurde mit dem 1. Lebenslauf zugunsten der Kinderheimstiftung Chile ein starkes Zeichen für soziales Engagement gesetzt – eine Aktion, die bis heute fortgeführt wird.

Sportlich konnten die Handball-Damen 2002 mit dem Wiederaufstieg in die Regionalliga einen weiteren großen Erfolg feiern.

Doch dann kam ein schwerer Einschnitt:

2003 brannte die TV-Halle… der Verein bewies erneut große Geschlossenheit. Bereits 2004 begann der Wiederaufbau, und 2005 konnte die neue TV-Halle eingeweiht werden.

2006 entstand der TVH-Treff-Kiosk und die Showtanz-Abteilung wurde ins Leben gerufen. Zudem wurde eine Spielgemeinschaft mit Albersweiler-Ranschbach gegründet.

2007 folgte wieder ein Brand – dieses Mal in der Gaststätte – wieder eine Belastungsprobe, die der Verein mit Zusammenhalt und Einsatz überstand.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein kontinuierlich weiter: Neue Abteilungen wie Showtanz entstanden, Spielgemeinschaften wurden gegründet und zahlreiche sportliche Erfolge gefeiert – insbesondere im Handball und im Fußball mit Aufstiegen, Pokalsiegen und tollen Platzierungen.

Auch das Vereinsleben blieb lebendig: 2011 wurde das 110-jährige Jubiläum gefeiert, Kooperationen wurden vertieft und neue Strukturen geschaffen.

Natürlich gab es auch Rückschläge – sportliche Abstiege oder die Auflösung von Spielgemeinschaften. Doch der Turnverein hat immer wieder bewiesen, dass er mit solchen Herausforderungen umgehen kann und gestärkt daraus hervorgeht.

Die Jahre 2020 bis 2023 standen im Zeichen der Corona-Pandemie, die das Vereinsleben stark beeinflusste. Gleichzeitig zeigte sich in dieser Zeit einmal mehr der große Zusammenhalt innerhalb des Vereins.

Ein besonderer Moment war 2021, als mit Uwe Reichert erstmals ein Mitglied des Vereins als Kampfrichter bei Olympischen Spielen im Einsatz war.

Im gleichen Jahr musste auch die Turnfest-Eiche von 1987 gefällt werden – ein symbolträchtiger Moment, der an die lange und lebendige Turnfesttradition des Vereins erinnerte.

Auch in den vergangenen Jahren konnte der Turnverein zahlreiche sportliche Erfolge feiern. Besonders hervorzuheben sind die Meisterschaften im Damenfußball in den Jahren 2023 und 2025.

Ebenso beeindruckend sind die Leistungen im Gerätturnen: Sowohl im weiblichen als auch im männlichen Bereich werden bei Gau- und Landeswettkämpfen regelmäßig Spitzenplatzierungen erreicht – ein Beleg für die kontinuierliche und erfolgreiche Nachwuchsarbeit im Verein.

Doch neben all diesen Erfolgen zeigt sich die besondere Identität des Turnvereins vor allem in seiner tief verwurzelten Turntradition. Zahlreiche Teilnahmen an Deutschen Turnfesten – von Köln und Breslau über München und Hamburg bis hin nach Berlin – haben diese Verbundenheit über Jahrzehnte hinweg geprägt.

Und genau diese Tradition führt uns schließlich zum jüngsten Kapitel dieser Geschichte – dem Turnfest in Leipzig.

Hier schloss sich gewissermaßen ein Kreis:
Die Geschichte unserer Vereinsfahne, die einst unter abenteuerlichen Umständen nach Hauenstein gebracht wurde, fand eine moderne Fortsetzung.

Ein Unwetter bei der Eröffnungsfeier führte dazu, dass wir spontan in einem Live-Interview des MDR zur Herkunft unserer Vereinsfahne befragt wurden.

Ein besonderer Moment, der gezeigt hat, wie lebendig unsere Geschichte bis heute ist und wie sehr Tradition und Gegenwart miteinander verbunden sind.

Und nun stehen wir im Jahr 2026:

Der Turnverein Hauenstein feiert 125 Jahre Vereinsgeschichte.

125 Jahre voller Bewegung, Leidenschaft, Gemeinschaft, Erfolge, Rückschläge, Wiederaufbau und Zusammenhalt.

125 Jahre, in denen der TVH immer wieder bewiesen hat, dass er mehr ist als ein Turnverein –

nämlich ein Stück Heimat.


Vielen Dank.